Aufruf des Protestplenums zum #Bildungsstreik14

Das Protestplenum hat einen Aufruf zur landesweiten Demonstration am 25.6.14 in Wiesbaden geschrieben (hier auch als PDF).
Checkt auch www.bildungsstreik2014.de und den Jingle.
Im folgenden der Aufruf:

Frankfurt, Deutschland, 2009:

In ganz Deutschland sind Studierende auf den Straßen, besetzen Hörsääle und protestieren für eine freie, breite Bildung und die Abschaffung der Studiengebühren. Wissenschaften, die auch ihre gesellschaftliche Verantwortung erfüllen und dabei nicht nur ins eigene Portemonnaie schauen, sind ihr Ziel. Drittmittel sind dabei nach wie vor ein Stichwort.

Frankfurt, Deutschland, 2014:

Was ist seitdem passiert? Wie steht es jetzt um unsere Bildung und insbesondere die Hochschullandschaft? Mit Niedersachsen knickt in diesem Wintersemester auch das letzte Bundesland ein und schafft die Regelzeit-Studiengebühren wieder ab. Doch jenseits dessen? Langzeitstudiengebühren sind nach wie vor keine Ausnahme, sondern die Regel und die jüngste Erhöhung der Semesterbeiträge hat dazu geführt, dass die Universität Frankfurt mit Verwaltungskosten und Studenten[sic!]werksbeiträgen auch so denominösen 500€ immer näher kommt und damit einen der Spitzenplätze unter deutschen Hochschulen belegt. Die Mensa ist mittlerweile teurer als die eh schon überteuerte Pommesbude um die Ecke. Hierzu ist wiederum zu sagen, dass man tagtäglich ohnehin die meiste Zeit auf dem Campusgelände verbringt und somit jeder Schritt, der uns vom Campus entfernt, ein Schritt zu viel ist. Hat sich also etwas grundlegend geändert? Kaum! Bewegt sich etwas? Die Antwort ist dieselbe. Doch der Startschuss für die nächsten Bildungsproteste ist gefallen. Es gibt eine Vielzahl von Missständen zu kritisieren!

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Newsletter

Ganz frisch gibt es jetzt einen Newsletter von uns für den anstehenden Bildungsstreik. Tragt euch ein wenn ihr wissen wollt was so läuft, was ansteht und vielleicht auch was gelaufen ist. Schickt einfach eine leere E-Mail an protestinfo2014-subscribe@lists.riseup.net!


Studierende lärmen gegen Unterfinanzierung [Pressemitteilung]

250 Personen bei verschiedenen Aktionen

Am 21.05. fanden im Rahmen der Protestwoche an der Universität Frankfurt mehrere Aktionen statt. An den zwei Lärmflashmobs und einer Mensaaktion nahmen circa 250 Personen teil. „Wir machen Lärm, um auf die Probleme der Unis aufmerksam zu machen und ein Zeichen zu setzen“ begründete Lisa Begemann, selbst Studierende im 6. Semester, die Aktion, „Unterfinanzierung betrifft dabei nicht nur einzelne Fachbereiche oder Universitäten.“ Ein weiteres Anliegen des Protestes war es, gegen mögliche Institutsschließungen aktiv zu werden. „Ich habe gehört, dass einige Fachbereiche bereits ihre Schließung befürchten“ ergänzte ein umstehender Student.

50 bis 60 Studierende trafen sich zunächst in der Frankfurter Innenstadt an der Hauptwache, um acht Minuten lang ihrem Unmut über die Sparmaßnahmen und Kürzungen im universitären Raum laut und musikalisch Ausdruck zu verleihen. Später wurde die Aktion auf dem Campus wiederholt. Während der laufenden Senatssitzung kamen noch einmal circa 80 Studierende zusammen, machten zuerst vor dem Präsidiumsbau auf sich aufmerksam und gingen anschließend lärmend in den Senat. „Wir wollen den Protest dorthin tragen wo er nötig ist. Der Senat beschließt unter anderem Finanzierungs- und Entwicklungsfragen der Universität“ sagte eine Protestierende dazu.

Am Mittag hatten bereits 120 Studierende die Mensa im Anbau des Casino-Gebäudes auf dem IG-Farben-Campus als Ziel des Protestes gewählt, bestellten sich Mittagessen und zahlten beim hinausgehen alle einen symbolischen Euro. “Wir wollten mit dieser Aktion die Rücknahme der Preiserhöhungen in den Mensen und Cafeterien erreichen und auf die Problematiken, die in Verbindung mit dem Studierendenwerk stehen, insbesondere die beständigen Erhöhungen des Semesterbeitrags, die Unterfinanzierung des Studierendenwerks und die Intransparenz des Haushaltes sowie der Zulieferer, Aufmerksam machen“, so äußerte sich Sebastian H. Unger, „selbstverständlich gilt unsere Kritik dem Studierendenwerk nicht den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die während der laufenden Aktion über die Situation informiert wurden.“

Für den morgigen Tag sind weitere Aktionen und Workshops geplant. Im Rahmen des bundesweiten Bildungsstreiks 2014 werden im Sommer weitere Proteste stattfinden.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an 0157/56011766 oder akinfo.bsffm@googlemail.com. Die Rufnummer wird den Tag über bis mindestens 18 Uhr erreichbar sein.


Aktualisiertes Programm und detaillierte Beschreibungen der Veranstaltungen

PROGRAMM

WS

Zusätzliche Informationen zu den Veranstaltungen:

AT Queer und Antikapitalismus: Nachdem ‘queer’ spätestens seit den 1990er Jahren auch im deutschsprachigen Raum zunehmend Verbreitung fand, ist der Inhalt, der unter diesem Label läuft, nicht nur unklar, sondern erschwerend auch vom amerikanischen Entstehungskontext gelöst. In diesem Tutorium wollen wir nicht nur versuchen zu ergründen worauf mit ‘queer’ reagiert wurde, sondern auch ob und wie queere Kämpfe mit antikapitalistischen Bewegungen zusammenhängen.

 AT Drogen und andere Vorteile der Sucht: Das Tutorium wird auf dreierlei Arten versuchen die Vielschichtigkeit von Rausch und Drogen aufzuzeigen. Ein Block wird sich der Theorie der Sucht widmen, da vieles im Laufe der Jahre geschrieben wurde die Relevanz von Sucht zu spezifizieren. Ein weiterer Teil wird sich der medialen Darstellung der Thematik widmen; sowohl Filme als auch Printmedien und bildende Kunst, die die Facetten von Rausch aufzeigen, werden zur Sprache kommen. Der dritte Programmpunkt wird in Zusammenarbeit mit verschiedenen Hilfseinrichtungen für Abhängige in Frankfurt vonstatten gehen. Ziel ist es dabei den Umgang mit Sucht in der Realität kennenzulernen. Dafür werden abweichende Termine nötig werden.

AT Kritik an (liberaler) Vertragstheorie: Ausgehend von Marx „Der Mensch ist im wörtlichsten Sinn ein zoon politikon, nicht nur ein geselliges Thier, sondern ein Thier, das nur in der Gesellschaft sich vereinzeln kann“ möchten wir einer Kritik an (liberalen) Vertragstheorien nachgehen. Folgende Frage soll dabei zentral sein: Welcher Zusammenhang besteht zwischen der Vertragstheorie und dem (methodologischen) Individualismus? Neben der Kritik an der Vertragstheorie und dem Individuum als Ausgangspunkt von Gesellschaft, wollen wir uns auch die Frage stellen, welche anderen „Modelle“ von Gesellschaft und Staat es gibt.

AT Reflexion einer kritischen Theorie und Praxis Sozialer Arbeit: Randale? Bambule? Frankfurter Schule? Reflexion einer Kritischen Theorie und Praxis Sozialer Arbeit.) Die Diskussion und Vortrag lautet: Vorstellung des AKS FFM Sektion Universität sowie theoretische Überlegungen zu einer kritischen Sozialen Arbeit. Das Autotut fängt um 14 Uhr an und hört um 15.30 auf, um zur Protestaktion in der Bleichstraße 10 zu fahren.

Tanzdemo: „Tanzen gegen Kürzungen“ Am dezentralen bundesweiten Aktionstag wollen wir gegen die Kürzungen und Unterfinanzierung an den Fachbereichen, dem Studenten[sic!]werk und den Hochschulen allgemein tanzen, raven und protestieren. Dazu treffen wir uns um 14 Uhr am Campusplatz! Für Musik ist gesorgt! Im Sinne des bundesweiten Aufrufs (abrufbar unter: http://www.stura.uni-halle.de/aktionsbuendnis/konferenz-von-studierendenvertretern-aus-13-bundeslaendern-ruft-zum-bildungsstreik-2014-auf/ ) wollen wir nicht nur gegen die Konkurrenz der Fachbereiche und Hochschulen untereinander, sondern auch gegen die unternehmerische Hochschule und die Unterfinanzierung raven. Außerdem wollen wir prekäre Arbeitsverhältnisse, teure Mieten und den Abbau kritischer Wissenschaften wegbassen. Mit den Vollversammlungen am 7.5. und 19.5. sind wir nun in die Aktionswoche gestartet. Also wollen wir laut und hörbar durch die Uni tanzen und so auch die Verhältnisse zum Tanzen bringen. Am besten bringt ihr bunte Decken mit, damit ihr euch auch vom Tanzen ausruhen könnt und die Uni ein bisschen (farben-)froher wird!

Protestaktion vor dem kommunalen Amt der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe: WIR PFEIFEN AUS DEM LETZTEN LOCH!!! AUFRUF ZUM PROTEST AM DIENSTAG, DEM 20. MAI 2014 UM 16.00 UHR,BLEICHSTRASSE 10,FRANKFURT VVOR DER BETRIEBSKOMMISSIONSSITZUNG Mit Vollgas gegen die Wand!!! Der städtische Betrieb 57 Kommunale Kinder-, Jugend-, und Familienhilfe Frankfurt wird gerade von den Verantwortlichen in derPolitik,dem Jugend-und Sozialdezernat und der Verwaltung systematisch an die Wand gefahren! Das bedeutet: Abmietung und Schließung von Einrichtungen. Benötigte Stellen werden nur noch durch Abordnung anderer städtischer MitarbeiterInnen besetzt. Stellen für PraktikantInnen im Anerkennungsjahr und Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) wurden abgeschafft?massive Arbeitsverdichtung beim bleibenden Personal ?Nachwuchs wird nicht mehr ausgebildet. Kürzungen bei Personal-und Sachmitteln Und das ist erst der Anfang! Wenn diese Sparpolitik nicht gestoppt wird, werden Jahr für Jahr weitere Einrichtungen geschlossen und Stellen in erheblichem Ausmaß eingestampft . Der Betrieb 57 wird von den Verantwortlichen auf Kosten von Kindern, Jugendlichen,Familien und auf Kosten der Mitarbeiter Innen systematisch kaputtgespart . Das hat es in diesem Ausmaß in Frankfurt, der Familien-und kinderfreundlichen Stadt,noch nicht gegeben. Uns reicht!! !! Deswegen fordern wir von den Verantwortlichen: Keine weiteren Schließungen von Einrichtungen!. Sofortige Wiederbesetzung von Stellen!. Einstellung von Jahrespraktikanten und FSJlerInnen! Vernünftige Finanzausstattung der Einrichtungen, um die Angebotsstruktur zu erhalten! Refinanzierung der Tariferhöhungen!

AT Ideologie: Warum nicht der Kommunismus? Ideologietheorien versuchen zu (er-)klären, warum sich die Menschen den Verhältnissen, die ihnen und ihren Interessen feindlich gegenüberstehen, unterwerfen und sich sogar aktiv an deren Aufrechterhaltung beteiligen. Warum übernehmen und (re-)produzieren sie, das heißt wir (das schreibende Subjekt kann sich aus diesen Verhalten eben nicht ohne weiteres herausschreiben) Denkmuster, die dem schönen und guten Leben widersprechen? Auf dieser Sitzung “Ideologie und ideologische Staatsapparate” von Althusser. Text wird gestellt.

AT Mediale Darstellung von Asylbewerbern in Deutschland: Diese Woche gehen wir  im speziellen einerseits auf postkoloniale Studien ein und andererseits wird einer der teilnehmenden Asylbewerber aus Äthiopien einen Vortrag über den derzeit tobenden, blutigen Konflikt zwischen Oromo und äthiopischer Regierung halten. Er und wir würden uns deswegen besonders freuen, wenn viele Studenten und andere Interessierte am Dienstag zu dem Tutorium kommen würden.

AT Lorenzer und Wittgenstein: Alfred Lorenzer, Psychoanalytiker und Soziologe, strebte eine Metatheorie der Psychoanalyse an; in seinem Werk suchte er Erkenntnisse des Marxismus und der Kritischen Theorie, sprachphilosophische Ansätze und auch biologische Perspektiven in Beziehung zueinander zu setzen. Besonders mit seinem „Sprachspielkonzept“ bezieht sich Lorenzer dezidiert auf den Logiker und Philosophen
Ludwig Wittgenstein. Wittgenstein beschäftigte sich unter anderem mit Fragen, wie „Sprache“ und „Welt/Mensch“ zusammenhängen. Dieses Verhältnis könnte mit Hilfe der Lektüre von Lorenzer auf das Verhältnis „Sprache/Unbewusstes“ angewendet werden. Wir möchten in diesem autonomen Tutorium der Frage nachgehen, inwiefern Lorenzer Teile der Wittgensteinschen (Spät-)Philosophie angemessen verwendet und ob eine Lektüre von Wittgensteins Werk das Verständnis von Lorenzers psychoanalytischen Theoriekorpus vertiefen kann.

AT Ontologie und Dialektik: Im Tutorium soll es zunächst darum gehen, sich durch ausgewählte Vorlesungen anhand einzelner Modelle die dialektische Kritik an der Fundamentalontologie anzueignen. Nun ist es jedoch nicht das Ziel die längst vollzogene philosophische Erledigung Heideggers erneut aufzutischen, sondern die Aktualität der Ontologie im Poststrukturalismus zu diskutieren. Ausdrücklich soll es nicht um eine politische Denunziation gehen. Wie Heidegger zwar seiner Philosophie entsprechend konsequent dem Nationalsozialismus die Fahne hielt, von Adorno jedoch im Medium der Sprachkritik aufgespießt wurde, kann es auch in diesem Tutorium nicht darum gehen, Foucault durch seine Parteinahme für die Islamische Revolution im Iran oder Butler durch ihren Antizionismus zu blamieren. Auch der Nachweis eines immanenten Zusammenhangs ihrer Philosophien und ihrer politischen Parteinahmen ist nur sekundäres Ziel des Tutoriums. Vielmehr gilt es sich um eine Kritik im Handgemenge zu bemühen und die unausgewiesenen und verschleierten Widersprüche in der Philosophie Foucaults und Butlers zu explizieren.

AT Zwischen Solidarität und kolonialen Phantasien – Widerstandskämpfe in Lateinamerika: Im diesem Tutorium wollen wir uns auf unterschiedliche Art und Weise mit den verschiedenen Formen des antikolonialen Widerstands in Lateinamerika und dessen Rezeption sowohl innerhalb als auch außerhalb des Kontinents auseinandersetzen. Dabei wollen wir auch explizit die solidarischen Bewegungen in Europa kritisch hinterfragen. Inwieweit wird Solidarität hier zur Revolutionsromantik und welche Inspiration können uns diese Bewegungen und Kämpfe dennoch geben?

AT Ästhetische Theorie Adornos: Das Tutorium setzt sich zum Ziel, in die Ästhetische Theorie Adornos einzuführen. Bei Adornos Vorstellung
vom Ästhetischen handelt es sich nicht, wie bei anderen Philosophen, um die Frage danach, was Kunst sei oder wie Schönes sich allgemein von Unschönem unterscheiden ließe. Die Ästhetische Theorie ist vielmehr eine Kritik, die im Kontext von Adornos Gesamtwerk, also dem Projekt einer Negativen Dialektik, gelesen und verstanden werden muss. Negative Dialektik bedeutet (auch), sich auf die Gegenstände, die man betrachtet, ganz einzulassen und kein vorgefertigtes System, keine verdinglichten Kategorien an die Phänomene heranzutragen und ihnen damit Gewalt anzutun. Das gilt Adorno auch für Kunstwerke. Bevor die großen philosophischen Systeme, allen voran das Hegelsche, verbindlich kritisiert und historisch widerlegt wurden, konnte man „große Ästhetik schreiben (…) ohne etwas von Kunst zu verstehen“ und „ohne den Werken sich zu überantworten“(Adorno, Ästhetische Theorie, S. 495). Wir wollen verstehen, was Adorno stattdessen tut; was es bedeutet, sich auf große Kunst einzulassen – während
gleichzeitig die Möglichkeit von Kunst als solcher angesichts kulturindustriell verformter Welt und Wahrnehmung in Frage steht.

AT Kulturindustrie. Body & Bitchcraft: „Mit der Billigkeit der Serienprodukte de luxe aber und ihrem Komplement, dem universalen Schwindel, bahnt eine Veränderung im Warencharakter der Kunst selber sich an. Nicht er ist das Neue: nur daß er heute geflissentlich sich einbekennt, und daß Kunst ihrer eigenen Autonomie abschwört, sich stolz unter die Konsumgüter einreiht, macht den Reiz der Neuheit aus.“ (Adorno/Horkheimer) Gereizt von der Neuheit des Immergleichen schlagen wir in unserem Tutorium „Kulturindustrie. Body & Bitchcraft“ einen Bogen von der produktionsästhetischen Theorie der Kulturindustrie nach Adorno und Horkheimer zur Rezeptionsästhetik. Im Zentrum der Auseinandersetzung soll das Nichtidentische in Körperinszenierungen massenkulturell gefertigter Produktionen stehen. Gegenstand unserer kulturanalytischen Untersuchung stellt der Hexenzirkel der Serie „American Horror Story: Coven“ dar. Textgrundlage dieser Sitzung ist das Kulturindustrie-Kapitel aus der Dialektik der Aufklärung von Adorno / Horkheimer.

AT Angela Davis and black feminism: Anlässlich des Besuches der Philosophin Angela Davis an der Goethe Universität haben wir einiges über ihre Biographie erfahren und Einblicke in ihre Theorie erhalten. In unserem autonomen Tutorium möchten wir den theoretischen Einblick in die Schriften von Angela Davis vertiefen. Wir werden uns auf Texte von ihr konzentrieren, die sich mit der Überschneidung von Unterdrückungsverhältnissen, insbesondere der Kategorien race, class und gender, beschäftigen. Diese Beschäftigung gewährt nicht nur Einblicke in die Vorläufer der gesellschaftswissenschaftlichen Intersektionalitäts-Debatte, sondern beinhaltet auch philosophisch-theoretische Auseinandersetzungen mit der Bedeutung dieser Kategorien. Erweitert wird dieser Zugang durch andere Autorinnen des black feminism wie auch mit Schriften, welche Angela Davis in ihrem Seminar „Critical Theory and Feminist Dialogues“ empfohlen hat. Zentral in diesem autonomen Tutorium ist vor allem auch, die Kritik am weissen/europäischen Feminismus ernst zu nehmen und darüber zu diskutieren, was dies für die aktuelle feministische Theorie und Praxis bedeutet.

AT Friedrich Nietzsche: „Ich bin kein Mensch, ich bin Dynamit.“ (Ecce Homo) Das Werk Friedrich Nietzsches hat wie eine Atombombe im Bereich des europäischen Geisteslebens gewirkt, so dass man seine Geschichte in eine Zeit vor und eine Zeit nach Nietzsche einteilen kann. Alle Philosophen nach ihm waren gezwungen, sich mit diesem Ereignis und seinen Folgen auseinanderzusetzen – und sich, je nach Standpunkt, als Bombenentschärfer oder Bombenleger in Nietzsches Gefolge zu positionieren oder hinweggefegt zu werden. Dieses autonome Tutorium hat, neben dem historischen einer Einführung in das Gesamtwerk Nietzsches, ein weniger ‚systematisches‘ als vielmehr anti-systematisches, dafür aber praktisches Interesse (wenn man Denken als Praxisform begreift): Eine Einführung in den philosophischen Bombenbau wie die philosophische Bombenentschärfung gleichermaßen zu geben. Was ist die richtige Mischung, wo sitzt der Zünder? Was ist der Funke, was gilt es bei der Sprengung zu berücksichtigen? Und wie minimiert man die Folgen derselben – oder maximiert sie?

AT Flanieren durch die moderne Großstadt: Die unterhaltsamen Romane „Das kunstseidene Mädchen“ von Irmgard Keun und „Fabian. Die Geschichte eines Moralisten“ von Erich Kästner bieten uns eine Vielzahl von literarischen Beschreibungen der „modernen“ deutschen Großstadt. In diesem autonomen Tutorium diskutieren wir die Merkmale der Modernität in der Großstadt und wie „modernes“ Verhalten beschrieben wird. Dabei ist unser theoretischer Rahmen die Gestalt des Flaneurs. Der Flaneur ermöglicht soziologische sowie psychologische Diskussionen über die Großstadt. Wir gehen der Frage nach, inwiefern die fiktionalen Beschreibungen der modernen Großstadt zu den Stadtbeschreibungen von dem damaligen Flaneur passen. Dieses Tutorium befasst sich auch mit mündlich überlieferter Geschichte. Wir arbeiten mit dem Kursana-Pflegeheim in Frankfurt Westend zusammen. Wir werden Gelegenheit haben, mit Zeitzeugen über die Romane zu diskutieren und über ihre Erinnerungen aus dieser Zeit zu sprechen. Ihre Berichte bieten eine weitere Perspektive auf die Modernität in der Großstadt. Die Fähigkeit mit mündlich überlieferter Geschichte umzugehen wird den Teilnehmern im wie nach dem Studium nützlich sein.

Workshop Aporien des Gender-Mainstreaming: Gender-Mainstreaming ist im universitären Kontext zu einer Art Leitbild des Umgangs mit Geschlechterdifferenzen geworden. Wie Kritikerinnen (beispielsweise Nancy Fraser und Tove Soiland) einwenden, werden dabei jedoch allzu oft die ökonomischen Bedingungen der Ungleichheit zwischen den Geschlechtern zugunsten einer Politik der immateriellen Anerkennung vernachlässigt. Wir möchten uns in dem Workshop den Aporien populärer Gender-Mainstreaming Diskurse und Praktiken annähern, indem wir in die jeweiligen universitären Erfahrungshintergründe unter Einbezug theoretischer Grundlagen diskutieren.

AT Grenzen im Empire – Das Sterben an den EU-Außengrenzen: Das Schiffsunglück vor Lampedusa im letzten Jahr brachte die europäische Flüchtlingspolitik zurück in den Fokus der öffentlichen Debatte. Schätzungsweise 20 000 Menschen  sollen seit den 1980er Jahren an den europäischen Außengrenzen ums Leben gekommen sein. Statt jedoch diese traurige Statistik als Konsequenz der eigenen verfehlten Asylpolitik wahrzunehmen, wurden von der EU neue Maßnahmen angekündigt, die sehr wahrscheinlich zu einer weiteren Eskalation der Gewalt entlang der europäischen Außengrenzen führen werden. Betrachtet man andere Regionen und Staaten rund um die Welt, gelangt man schnell zu der Einsicht, dass die EU und ihre Flüchtlingspolitik nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel darstellen. Während ein kleiner und privilegierter Teil der Weltbevölkerung weitgehende Freizügigkeit genießt, gehen viele Staaten immer brutaler gegen Flüchtlinge und andere ungewollte Migrant_innengruppen vor. Angesichts dieser Dynamik ist eine kritische wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der vorherrschenden Situation im Bereich.

AT Eine Einführung in das Konstrukt und die Realität von Etikettierung und Stigma: Die Erziehungswissenschaft war immer schon ein williges Instrument zur Normierung und Normalisierung von vermeintlich devianten Personen und Verhalten. Wer und was diese abweichenden Personen sein sollen, wodurch ihre Abweichung definiert wird, wer das Ungewollte zu richten hat – mit welchen Möglichkeiten und welcher Befugnis -, welche idiosynkratischen Annahmen hinter eingreifenden und korrigierenden Maßnahmen stehen, wer diese Abweichenden definiert, was die Etikettierung für deren Lebensrealität und Identität bedeutet und so weiter und so fort, wird selten gefragt und gedacht. Im Rahmen des Autonomen Tutoriums wird sich den verschiedenen Ansätzen der Etikettierungsperspektive(n) genähert, Klassiker_innen des labeling approach gelesen und diskutiert und betrachtet, wie Normalität und Abweichung einander konstruieren, welches Paradigma und Techniken hinter der Benennung und Bekämpfung abweichenden Verhaltens liegen und welche sozialen, gesellschaftlichen und zum Teil strafrechtlichen Konsequenzen den Abweichenden drohen. Abschließend und währenddessen soll diskutiert werden, wozu, wenn überhaupt, die Erziehungswissenschaft die Etikettierungsperspektive braucht.

AT Grundbegriffe der Psychoanalyse II: Die von Sigmund Freud entwickelte Psychoanalyse scheint, zumindest in der Form vereinzelter Begriffe, ins Alltagsverständnis durchgeschlagen zu sein: von der Trias Ich – Es – Über-Ich, der Hysterie, der Verdrängung und dem Unbewussten haben wahrscheinlich schon viele gehört, aller Wahrscheinlichkeit nach aber unabhängig von der zugrundeliegenden Theorie (geschweige denn Praxis) der Psychoanalyse. Nicht nur in einem sogenannten Alltagsverständnis, sondern auch in studentischen Diskursen werden diese und weitere Grundbegriffe der Psychoanalyse wie selbstverständlich verwendet, ohne dass immer klar zu sein scheint, was konkret und im Zusammenhang mit der restlichen Theorie gemeint ist, wenn beispielsweise von der Übertragung die Rede ist. Dies ist aber mindestens eine der Voraussetzungen für einen wissenschaftlichen Diskurs: seine Teilnehmer_innen wissen, worüber konkret gesprochen wird.

Workshop Architektonische Macht im universitären Raum: In diesem Workshop wollen wir den Teilnehmenden einen Einblick in psychoanalytisch inspirierte Kulturforschung geben. Gegenstand der Auseinandersetzung wird dabei die Herrschaftswirkung der architektonischen Gestaltung universitärer Räume sein. Der Raum setzt praxisregulierende Maßgaben, die unbewusst wirken und, um veränder- und kritisierbar zu werden, zunächst artikuliert werden müssen. Die sozialwissenschaftliche Methode des szenischen Verstehens versucht jene latent wirkenden Sinnfiguren zu versprachlichen und etwaige Gegenentwürfe zu entwickeln. Gemeinsam mit den Teilnehmenden möchten wir uns, nach einer kurzen Darstellung der methodologischen Grundlagen, an einer Erprobung eines konkreten Gegenstandes (vulgo Campus Westend, bzw. fucking PEG) versuchen. Das Ziel soll dabei sein, den Teilnehmenden die Möglichkeit zu eröffnen, das Erarbeitete in eigenen universitären Kontexten anzuwenden.

AT Zur Kritik der gegenwärtigen Ökonomie: Adornos These, dass Ökonomie und Gesellschaftstheorie einander bedürfen um ihren zentralen Gegenstand nicht zu verfehlen, scheint weiterhin relevant zu sein. So dürfte bei aller sozialwissenschaftlichen Kritik am Ökonomismus klar sein, dass der Bereich der materiellen Reproduktion einer Gesellschaft und die Formen, in denen sich diese vollzieht, von entscheidender Bedeutung für alle möglichen sozialen Handlungsbereiche sind, wie allerspätestens die manifesten materiellen Restriktionen in Krisenzeiten deutlich spürbar machen. Dennoch scheinen die Sozialwissenschaften diesen Bereich weitgehend auszuklammern und es in der Regel bei einzelnen Hinweisen auf die soziale Einbettung von Markthandeln und ähnlich partiellen Einwänden zu belassen. Das „Entscheidende“ wird den Wirtschaftswissenschaften überlassen. Ein oberflächlicher Blick auf die gegenwärtige Ökonomie zeigt jedoch, dass hier ebenfalls die entscheidenden Fragen hinter hoch mathematisierten und formalisierten Modellen zurücktreten. Dass „die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Menschen, die doch als rein wirtschaftliche, kalkulable sich geben, in Wirklichkeit nichts anderes als geronnene Beziehungen zwischen Menschen sind“ (Adorno), geht hinter diesen Rechenmodellen nur allzuleicht verloren. Das Tutorium möchte bei dieser Trennung der beiden Disziplinen ansetzen und sie kritisch hinterfragen.

 


Pressemitteilung zur Aktionswoche 19.5. 16:30 Uhr

Studierende nehmen sich Zeit und Raum für Debatten über die Hochschulpolitik
Protestwoche vom 19.-23.05. der Universität Frankfurt am Main hat begonnen
Der momentane Informationsstand befindet sich im Foyer des I.G. Farben-Hauses (Haupteingang).
Standortveränderungen werden mitgeteilt:
Twitter: @bsffm
Facebook: FFM – Die Uni brennt
Infotelephon. 0157 56011766
EA Nummer: 069 79828095

Die Studierendenschaft der Universität Frankfurt am Main hat im Rahmen der zweiten Vollversammlung dieses Jahres am Montag dem 19.05.14 beschlossen, sich für den Zeitraum der Protestwoche vom 19.05. bis 23.05.14 Zeit und Raum zu nehmen, um für einige Tage die Idee einer alternativen Universität zu ermöglichen. In dieser Zeit wollen die Studierenden sich inhaltlich mit den Problematiken der Hochschulpolitik, wie dem beschränkten Seminarangebot, der Unterfinanzierung der Universität, dem Verwertungszwang und nicht zuletzt der Entdemokratisierung des universitären Raums, auseinandersetzen und sich Zeit und Raum dafür nehmen, Handlungsmöglichkeiten auszuarbeiten.
„Wir sitzen seit dem Umzug nur noch in überfüllten Seminaren. Es gibt zwar wenige nicht überfüllte Seminare, diese entsprechen aber nicht den studentischen Interessen und könnten die Menge an Studierenden eh nicht aufnehmen ohne selbst überfüllt zu sein. Seitdem ich hier studiere, hat sich die Raum- und Inhaltsproblematik zunehmend verschlechtert.“ äußert sich Helena Riotszeck, Soziologie-Studentin im vierten Bachelor-Semester.
Ein Studierender äußert sich kritisch über die Hochschulpolitik, die aktuell in Frankfurt a.M. betrieben wird.
“Wenn ich daran denke. dass demokratisch legitimierte Entscheidungen z.B. bei der Besetzung von Dekan-Stellen an meinem Fachbereich durch das Veto-Recht des Präsidenten unterwandert werden, dann stelle ich mir die Frage nach den demokratischen Strukturen an dieser Universität.”, so Erziehungswissenschaften-Studentin Johanna F. Aust, achtes Bachelor-Semester. Für sie stelle sich weiterhin die Problematik, dass sie ihrer Erzählung nach keine_n Prüfer_in am Fachbereich für ihre Bachelorarbeit finden würde. Es gäbe nicht genug Dozierende mit Kapazitäten für eine weitere Prüfung, das sei für sie als BAFöG-Empfängerin ein riesiges Problem.
Es gibt an vielen Fachbereichen zu wenige besetzte Stellen. Ganz gravierend ist die Lage im Hinblick auf kritische Dozierende. Gleichzeitig haben BAFöG-Empfänger_innen den Druck, möglichst in Regelstudienzeit das Studium zu beenden. Aus Sicht der Studierenden ein systemisches Problem.
Am Campus Niederrad sind die Studierenden mit ganz anderen strukturellen Problemen konfrontiert. André G. Selshaft beklagt beispielsweise, dass es keine Mensa an der Uni-Klinik gibt und, dass wenn sie nächstes Jahr ihr praktisches Jahr machen muss, sie keinerlei finanzielle Unterstützung durch das Bildungssystem erfahren wird.
Während der Protestwoche findet am Dienstag ein bundesweiter Aktionstag statt, an welchem im Rahmen des Bildungsstreiks 2014 an vielen Hochschulen dezentrale Aktionen geplant sind.

 

akinfo.bsffm@googlemail.com


Programm Aktionswoche 19.5.-23.5.

WS

Am Dienstag ist noch ein Autonomes Tutorium geöffnet, das bisher nicht aufgeführt war:
"Randale? Bambule? Frankfurter Schule? Reflexion einer Kritischen Theorie und 
Praxis Sozialer Arbeit."
Die Diskussion und Vortrag lautet: Vorstellung des AKS FFM Sektion Universität sowie theoretische Überlegungen zu einer kritischen Sozialen Arbeit. Treffpunkt ist um 14 Uhr am Infopoint im IG Foyer.
Das AT endet bereits um 15:30 um danach zur Aktion "WIR PFEIFEN AUS DEM LETZTEN LOCH!!!" Um 16 Uhr in der Bleichstraße 10

Wir nehmen uns Zeit und Raum!

BAFöG-Sorgen, Überfüllte Seminare, Prüfungsstress, Überlastete Dozierende, Unterfinanzierung der Universität – ES REICHT!

Wir haben es satt und wollen uns Zeit und Raum nehmen, um eine alternative Universität zumindest für ein paar Tage möglich zu machen und Handlungsmöglichkeiten auszuarbeiten. Protest und Selbstorganisation ist bei dem gegebenen Umstand die einzig mögliche Antwort. Wir wollen nicht mehr hinnehmen, uns in überfüllte Seminarräume zu zwängen und aufgrund von finanziellen Kürzungen in ein beschränktes Seminarangebot einzupassen. Wir wollen nach unseren Vorstellungen studieren und dabei Inhalte nicht am Verwertungszwang, sondern an unseren Interessen orientiert wissen.

Daher nehmen wir unsZeit und Raum!

Wir wollen dabei keine Gewalt und keine Beschädigungen (insb. kein Taggen, Stickern, etc.!) erzielen, sondern uns Raum nehmen für eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den gegenwärtigen Problemen studentischen Alltags. Für ein einträgliches Miteinander erachten wir es für wichtig, nüchtern miteinander zu diskutieren und zu handeln – Akohol und Drogen sind oftmals gut und richtig, haben auf Aktionen jedoch nichts zu suchen!

In der kommenden Woche vom 19.-23.05.14 werden vielfältige Aktionen und eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der zunehmenden Verschlechterung an der Goethe-Uni stattfinden.

Kommt vorbei, unterstützt uns und euch und macht mit!

Unser erstes Plenum, auf dem auch die Struktur verhandelt werden wird, beginnt um 18 Uhr. Am Besten bildet ihr Bezugsgruppen aus Freundeskreisen aus je circa 5 Personen, von denen dann Eine auf dem Plenum alle vertreten kann. Davon erhoffen wir uns konstruktive Diskussionen, Reduktion von Wiederholungen und eine bessere Entscheidungsfähigkeit.


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