Aktualisiertes Programm und detaillierte Beschreibungen der Veranstaltungen

PROGRAMM

WS

Zusätzliche Informationen zu den Veranstaltungen:

AT Queer und Antikapitalismus: Nachdem ‚queer‘ spätestens seit den 1990er Jahren auch im deutschsprachigen Raum zunehmend Verbreitung fand, ist der Inhalt, der unter diesem Label läuft, nicht nur unklar, sondern erschwerend auch vom amerikanischen Entstehungskontext gelöst. In diesem Tutorium wollen wir nicht nur versuchen zu ergründen worauf mit ‚queer‘ reagiert wurde, sondern auch ob und wie queere Kämpfe mit antikapitalistischen Bewegungen zusammenhängen.

 AT Drogen und andere Vorteile der Sucht: Das Tutorium wird auf dreierlei Arten versuchen die Vielschichtigkeit von Rausch und Drogen aufzuzeigen. Ein Block wird sich der Theorie der Sucht widmen, da vieles im Laufe der Jahre geschrieben wurde die Relevanz von Sucht zu spezifizieren. Ein weiterer Teil wird sich der medialen Darstellung der Thematik widmen; sowohl Filme als auch Printmedien und bildende Kunst, die die Facetten von Rausch aufzeigen, werden zur Sprache kommen. Der dritte Programmpunkt wird in Zusammenarbeit mit verschiedenen Hilfseinrichtungen für Abhängige in Frankfurt vonstatten gehen. Ziel ist es dabei den Umgang mit Sucht in der Realität kennenzulernen. Dafür werden abweichende Termine nötig werden.

AT Kritik an (liberaler) Vertragstheorie: Ausgehend von Marx „Der Mensch ist im wörtlichsten Sinn ein zoon politikon, nicht nur ein geselliges Thier, sondern ein Thier, das nur in der Gesellschaft sich vereinzeln kann“ möchten wir einer Kritik an (liberalen) Vertragstheorien nachgehen. Folgende Frage soll dabei zentral sein: Welcher Zusammenhang besteht zwischen der Vertragstheorie und dem (methodologischen) Individualismus? Neben der Kritik an der Vertragstheorie und dem Individuum als Ausgangspunkt von Gesellschaft, wollen wir uns auch die Frage stellen, welche anderen „Modelle“ von Gesellschaft und Staat es gibt.

AT Reflexion einer kritischen Theorie und Praxis Sozialer Arbeit: Randale? Bambule? Frankfurter Schule? Reflexion einer Kritischen Theorie und Praxis Sozialer Arbeit.) Die Diskussion und Vortrag lautet: Vorstellung des AKS FFM Sektion Universität sowie theoretische Überlegungen zu einer kritischen Sozialen Arbeit. Das Autotut fängt um 14 Uhr an und hört um 15.30 auf, um zur Protestaktion in der Bleichstraße 10 zu fahren.

Tanzdemo: „Tanzen gegen Kürzungen“ Am dezentralen bundesweiten Aktionstag wollen wir gegen die Kürzungen und Unterfinanzierung an den Fachbereichen, dem Studenten[sic!]werk und den Hochschulen allgemein tanzen, raven und protestieren. Dazu treffen wir uns um 14 Uhr am Campusplatz! Für Musik ist gesorgt! Im Sinne des bundesweiten Aufrufs (abrufbar unter: http://www.stura.uni-halle.de/aktionsbuendnis/konferenz-von-studierendenvertretern-aus-13-bundeslaendern-ruft-zum-bildungsstreik-2014-auf/ ) wollen wir nicht nur gegen die Konkurrenz der Fachbereiche und Hochschulen untereinander, sondern auch gegen die unternehmerische Hochschule und die Unterfinanzierung raven. Außerdem wollen wir prekäre Arbeitsverhältnisse, teure Mieten und den Abbau kritischer Wissenschaften wegbassen. Mit den Vollversammlungen am 7.5. und 19.5. sind wir nun in die Aktionswoche gestartet. Also wollen wir laut und hörbar durch die Uni tanzen und so auch die Verhältnisse zum Tanzen bringen. Am besten bringt ihr bunte Decken mit, damit ihr euch auch vom Tanzen ausruhen könnt und die Uni ein bisschen (farben-)froher wird!

Protestaktion vor dem kommunalen Amt der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe: WIR PFEIFEN AUS DEM LETZTEN LOCH!!! AUFRUF ZUM PROTEST AM DIENSTAG, DEM 20. MAI 2014 UM 16.00 UHR,BLEICHSTRASSE 10,FRANKFURT VVOR DER BETRIEBSKOMMISSIONSSITZUNG Mit Vollgas gegen die Wand!!! Der städtische Betrieb 57 Kommunale Kinder-, Jugend-, und Familienhilfe Frankfurt wird gerade von den Verantwortlichen in derPolitik,dem Jugend-und Sozialdezernat und der Verwaltung systematisch an die Wand gefahren! Das bedeutet: Abmietung und Schließung von Einrichtungen. Benötigte Stellen werden nur noch durch Abordnung anderer städtischer MitarbeiterInnen besetzt. Stellen für PraktikantInnen im Anerkennungsjahr und Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) wurden abgeschafft?massive Arbeitsverdichtung beim bleibenden Personal ?Nachwuchs wird nicht mehr ausgebildet. Kürzungen bei Personal-und Sachmitteln Und das ist erst der Anfang! Wenn diese Sparpolitik nicht gestoppt wird, werden Jahr für Jahr weitere Einrichtungen geschlossen und Stellen in erheblichem Ausmaß eingestampft . Der Betrieb 57 wird von den Verantwortlichen auf Kosten von Kindern, Jugendlichen,Familien und auf Kosten der Mitarbeiter Innen systematisch kaputtgespart . Das hat es in diesem Ausmaß in Frankfurt, der Familien-und kinderfreundlichen Stadt,noch nicht gegeben. Uns reicht!! !! Deswegen fordern wir von den Verantwortlichen: Keine weiteren Schließungen von Einrichtungen!. Sofortige Wiederbesetzung von Stellen!. Einstellung von Jahrespraktikanten und FSJlerInnen! Vernünftige Finanzausstattung der Einrichtungen, um die Angebotsstruktur zu erhalten! Refinanzierung der Tariferhöhungen!

AT Ideologie: Warum nicht der Kommunismus? Ideologietheorien versuchen zu (er-)klären, warum sich die Menschen den Verhältnissen, die ihnen und ihren Interessen feindlich gegenüberstehen, unterwerfen und sich sogar aktiv an deren Aufrechterhaltung beteiligen. Warum übernehmen und (re-)produzieren sie, das heißt wir (das schreibende Subjekt kann sich aus diesen Verhalten eben nicht ohne weiteres herausschreiben) Denkmuster, die dem schönen und guten Leben widersprechen? Auf dieser Sitzung „Ideologie und ideologische Staatsapparate“ von Althusser. Text wird gestellt.

AT Mediale Darstellung von Asylbewerbern in Deutschland: Diese Woche gehen wir  im speziellen einerseits auf postkoloniale Studien ein und andererseits wird einer der teilnehmenden Asylbewerber aus Äthiopien einen Vortrag über den derzeit tobenden, blutigen Konflikt zwischen Oromo und äthiopischer Regierung halten. Er und wir würden uns deswegen besonders freuen, wenn viele Studenten und andere Interessierte am Dienstag zu dem Tutorium kommen würden.

AT Lorenzer und Wittgenstein: Alfred Lorenzer, Psychoanalytiker und Soziologe, strebte eine Metatheorie der Psychoanalyse an; in seinem Werk suchte er Erkenntnisse des Marxismus und der Kritischen Theorie, sprachphilosophische Ansätze und auch biologische Perspektiven in Beziehung zueinander zu setzen. Besonders mit seinem „Sprachspielkonzept“ bezieht sich Lorenzer dezidiert auf den Logiker und Philosophen
Ludwig Wittgenstein. Wittgenstein beschäftigte sich unter anderem mit Fragen, wie „Sprache“ und „Welt/Mensch“ zusammenhängen. Dieses Verhältnis könnte mit Hilfe der Lektüre von Lorenzer auf das Verhältnis „Sprache/Unbewusstes“ angewendet werden. Wir möchten in diesem autonomen Tutorium der Frage nachgehen, inwiefern Lorenzer Teile der Wittgensteinschen (Spät-)Philosophie angemessen verwendet und ob eine Lektüre von Wittgensteins Werk das Verständnis von Lorenzers psychoanalytischen Theoriekorpus vertiefen kann.

AT Ontologie und Dialektik: Im Tutorium soll es zunächst darum gehen, sich durch ausgewählte Vorlesungen anhand einzelner Modelle die dialektische Kritik an der Fundamentalontologie anzueignen. Nun ist es jedoch nicht das Ziel die längst vollzogene philosophische Erledigung Heideggers erneut aufzutischen, sondern die Aktualität der Ontologie im Poststrukturalismus zu diskutieren. Ausdrücklich soll es nicht um eine politische Denunziation gehen. Wie Heidegger zwar seiner Philosophie entsprechend konsequent dem Nationalsozialismus die Fahne hielt, von Adorno jedoch im Medium der Sprachkritik aufgespießt wurde, kann es auch in diesem Tutorium nicht darum gehen, Foucault durch seine Parteinahme für die Islamische Revolution im Iran oder Butler durch ihren Antizionismus zu blamieren. Auch der Nachweis eines immanenten Zusammenhangs ihrer Philosophien und ihrer politischen Parteinahmen ist nur sekundäres Ziel des Tutoriums. Vielmehr gilt es sich um eine Kritik im Handgemenge zu bemühen und die unausgewiesenen und verschleierten Widersprüche in der Philosophie Foucaults und Butlers zu explizieren.

AT Zwischen Solidarität und kolonialen Phantasien – Widerstandskämpfe in Lateinamerika: Im diesem Tutorium wollen wir uns auf unterschiedliche Art und Weise mit den verschiedenen Formen des antikolonialen Widerstands in Lateinamerika und dessen Rezeption sowohl innerhalb als auch außerhalb des Kontinents auseinandersetzen. Dabei wollen wir auch explizit die solidarischen Bewegungen in Europa kritisch hinterfragen. Inwieweit wird Solidarität hier zur Revolutionsromantik und welche Inspiration können uns diese Bewegungen und Kämpfe dennoch geben?

AT Ästhetische Theorie Adornos: Das Tutorium setzt sich zum Ziel, in die Ästhetische Theorie Adornos einzuführen. Bei Adornos Vorstellung
vom Ästhetischen handelt es sich nicht, wie bei anderen Philosophen, um die Frage danach, was Kunst sei oder wie Schönes sich allgemein von Unschönem unterscheiden ließe. Die Ästhetische Theorie ist vielmehr eine Kritik, die im Kontext von Adornos Gesamtwerk, also dem Projekt einer Negativen Dialektik, gelesen und verstanden werden muss. Negative Dialektik bedeutet (auch), sich auf die Gegenstände, die man betrachtet, ganz einzulassen und kein vorgefertigtes System, keine verdinglichten Kategorien an die Phänomene heranzutragen und ihnen damit Gewalt anzutun. Das gilt Adorno auch für Kunstwerke. Bevor die großen philosophischen Systeme, allen voran das Hegelsche, verbindlich kritisiert und historisch widerlegt wurden, konnte man „große Ästhetik schreiben (…) ohne etwas von Kunst zu verstehen“ und „ohne den Werken sich zu überantworten“(Adorno, Ästhetische Theorie, S. 495). Wir wollen verstehen, was Adorno stattdessen tut; was es bedeutet, sich auf große Kunst einzulassen – während
gleichzeitig die Möglichkeit von Kunst als solcher angesichts kulturindustriell verformter Welt und Wahrnehmung in Frage steht.

AT Kulturindustrie. Body & Bitchcraft: „Mit der Billigkeit der Serienprodukte de luxe aber und ihrem Komplement, dem universalen Schwindel, bahnt eine Veränderung im Warencharakter der Kunst selber sich an. Nicht er ist das Neue: nur daß er heute geflissentlich sich einbekennt, und daß Kunst ihrer eigenen Autonomie abschwört, sich stolz unter die Konsumgüter einreiht, macht den Reiz der Neuheit aus.“ (Adorno/Horkheimer) Gereizt von der Neuheit des Immergleichen schlagen wir in unserem Tutorium „Kulturindustrie. Body & Bitchcraft“ einen Bogen von der produktionsästhetischen Theorie der Kulturindustrie nach Adorno und Horkheimer zur Rezeptionsästhetik. Im Zentrum der Auseinandersetzung soll das Nichtidentische in Körperinszenierungen massenkulturell gefertigter Produktionen stehen. Gegenstand unserer kulturanalytischen Untersuchung stellt der Hexenzirkel der Serie „American Horror Story: Coven“ dar. Textgrundlage dieser Sitzung ist das Kulturindustrie-Kapitel aus der Dialektik der Aufklärung von Adorno / Horkheimer.

AT Angela Davis and black feminism: Anlässlich des Besuches der Philosophin Angela Davis an der Goethe Universität haben wir einiges über ihre Biographie erfahren und Einblicke in ihre Theorie erhalten. In unserem autonomen Tutorium möchten wir den theoretischen Einblick in die Schriften von Angela Davis vertiefen. Wir werden uns auf Texte von ihr konzentrieren, die sich mit der Überschneidung von Unterdrückungsverhältnissen, insbesondere der Kategorien race, class und gender, beschäftigen. Diese Beschäftigung gewährt nicht nur Einblicke in die Vorläufer der gesellschaftswissenschaftlichen Intersektionalitäts-Debatte, sondern beinhaltet auch philosophisch-theoretische Auseinandersetzungen mit der Bedeutung dieser Kategorien. Erweitert wird dieser Zugang durch andere Autorinnen des black feminism wie auch mit Schriften, welche Angela Davis in ihrem Seminar „Critical Theory and Feminist Dialogues“ empfohlen hat. Zentral in diesem autonomen Tutorium ist vor allem auch, die Kritik am weissen/europäischen Feminismus ernst zu nehmen und darüber zu diskutieren, was dies für die aktuelle feministische Theorie und Praxis bedeutet.

AT Friedrich Nietzsche: „Ich bin kein Mensch, ich bin Dynamit.“ (Ecce Homo) Das Werk Friedrich Nietzsches hat wie eine Atombombe im Bereich des europäischen Geisteslebens gewirkt, so dass man seine Geschichte in eine Zeit vor und eine Zeit nach Nietzsche einteilen kann. Alle Philosophen nach ihm waren gezwungen, sich mit diesem Ereignis und seinen Folgen auseinanderzusetzen – und sich, je nach Standpunkt, als Bombenentschärfer oder Bombenleger in Nietzsches Gefolge zu positionieren oder hinweggefegt zu werden. Dieses autonome Tutorium hat, neben dem historischen einer Einführung in das Gesamtwerk Nietzsches, ein weniger ‚systematisches‘ als vielmehr anti-systematisches, dafür aber praktisches Interesse (wenn man Denken als Praxisform begreift): Eine Einführung in den philosophischen Bombenbau wie die philosophische Bombenentschärfung gleichermaßen zu geben. Was ist die richtige Mischung, wo sitzt der Zünder? Was ist der Funke, was gilt es bei der Sprengung zu berücksichtigen? Und wie minimiert man die Folgen derselben – oder maximiert sie?

AT Flanieren durch die moderne Großstadt: Die unterhaltsamen Romane „Das kunstseidene Mädchen“ von Irmgard Keun und „Fabian. Die Geschichte eines Moralisten“ von Erich Kästner bieten uns eine Vielzahl von literarischen Beschreibungen der „modernen“ deutschen Großstadt. In diesem autonomen Tutorium diskutieren wir die Merkmale der Modernität in der Großstadt und wie „modernes“ Verhalten beschrieben wird. Dabei ist unser theoretischer Rahmen die Gestalt des Flaneurs. Der Flaneur ermöglicht soziologische sowie psychologische Diskussionen über die Großstadt. Wir gehen der Frage nach, inwiefern die fiktionalen Beschreibungen der modernen Großstadt zu den Stadtbeschreibungen von dem damaligen Flaneur passen. Dieses Tutorium befasst sich auch mit mündlich überlieferter Geschichte. Wir arbeiten mit dem Kursana-Pflegeheim in Frankfurt Westend zusammen. Wir werden Gelegenheit haben, mit Zeitzeugen über die Romane zu diskutieren und über ihre Erinnerungen aus dieser Zeit zu sprechen. Ihre Berichte bieten eine weitere Perspektive auf die Modernität in der Großstadt. Die Fähigkeit mit mündlich überlieferter Geschichte umzugehen wird den Teilnehmern im wie nach dem Studium nützlich sein.

Workshop Aporien des Gender-Mainstreaming: Gender-Mainstreaming ist im universitären Kontext zu einer Art Leitbild des Umgangs mit Geschlechterdifferenzen geworden. Wie Kritikerinnen (beispielsweise Nancy Fraser und Tove Soiland) einwenden, werden dabei jedoch allzu oft die ökonomischen Bedingungen der Ungleichheit zwischen den Geschlechtern zugunsten einer Politik der immateriellen Anerkennung vernachlässigt. Wir möchten uns in dem Workshop den Aporien populärer Gender-Mainstreaming Diskurse und Praktiken annähern, indem wir in die jeweiligen universitären Erfahrungshintergründe unter Einbezug theoretischer Grundlagen diskutieren.

AT Grenzen im Empire – Das Sterben an den EU-Außengrenzen: Das Schiffsunglück vor Lampedusa im letzten Jahr brachte die europäische Flüchtlingspolitik zurück in den Fokus der öffentlichen Debatte. Schätzungsweise 20 000 Menschen  sollen seit den 1980er Jahren an den europäischen Außengrenzen ums Leben gekommen sein. Statt jedoch diese traurige Statistik als Konsequenz der eigenen verfehlten Asylpolitik wahrzunehmen, wurden von der EU neue Maßnahmen angekündigt, die sehr wahrscheinlich zu einer weiteren Eskalation der Gewalt entlang der europäischen Außengrenzen führen werden. Betrachtet man andere Regionen und Staaten rund um die Welt, gelangt man schnell zu der Einsicht, dass die EU und ihre Flüchtlingspolitik nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel darstellen. Während ein kleiner und privilegierter Teil der Weltbevölkerung weitgehende Freizügigkeit genießt, gehen viele Staaten immer brutaler gegen Flüchtlinge und andere ungewollte Migrant_innengruppen vor. Angesichts dieser Dynamik ist eine kritische wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der vorherrschenden Situation im Bereich.

AT Eine Einführung in das Konstrukt und die Realität von Etikettierung und Stigma: Die Erziehungswissenschaft war immer schon ein williges Instrument zur Normierung und Normalisierung von vermeintlich devianten Personen und Verhalten. Wer und was diese abweichenden Personen sein sollen, wodurch ihre Abweichung definiert wird, wer das Ungewollte zu richten hat – mit welchen Möglichkeiten und welcher Befugnis -, welche idiosynkratischen Annahmen hinter eingreifenden und korrigierenden Maßnahmen stehen, wer diese Abweichenden definiert, was die Etikettierung für deren Lebensrealität und Identität bedeutet und so weiter und so fort, wird selten gefragt und gedacht. Im Rahmen des Autonomen Tutoriums wird sich den verschiedenen Ansätzen der Etikettierungsperspektive(n) genähert, Klassiker_innen des labeling approach gelesen und diskutiert und betrachtet, wie Normalität und Abweichung einander konstruieren, welches Paradigma und Techniken hinter der Benennung und Bekämpfung abweichenden Verhaltens liegen und welche sozialen, gesellschaftlichen und zum Teil strafrechtlichen Konsequenzen den Abweichenden drohen. Abschließend und währenddessen soll diskutiert werden, wozu, wenn überhaupt, die Erziehungswissenschaft die Etikettierungsperspektive braucht.

AT Grundbegriffe der Psychoanalyse II: Die von Sigmund Freud entwickelte Psychoanalyse scheint, zumindest in der Form vereinzelter Begriffe, ins Alltagsverständnis durchgeschlagen zu sein: von der Trias Ich – Es – Über-Ich, der Hysterie, der Verdrängung und dem Unbewussten haben wahrscheinlich schon viele gehört, aller Wahrscheinlichkeit nach aber unabhängig von der zugrundeliegenden Theorie (geschweige denn Praxis) der Psychoanalyse. Nicht nur in einem sogenannten Alltagsverständnis, sondern auch in studentischen Diskursen werden diese und weitere Grundbegriffe der Psychoanalyse wie selbstverständlich verwendet, ohne dass immer klar zu sein scheint, was konkret und im Zusammenhang mit der restlichen Theorie gemeint ist, wenn beispielsweise von der Übertragung die Rede ist. Dies ist aber mindestens eine der Voraussetzungen für einen wissenschaftlichen Diskurs: seine Teilnehmer_innen wissen, worüber konkret gesprochen wird.

Workshop Architektonische Macht im universitären Raum: In diesem Workshop wollen wir den Teilnehmenden einen Einblick in psychoanalytisch inspirierte Kulturforschung geben. Gegenstand der Auseinandersetzung wird dabei die Herrschaftswirkung der architektonischen Gestaltung universitärer Räume sein. Der Raum setzt praxisregulierende Maßgaben, die unbewusst wirken und, um veränder- und kritisierbar zu werden, zunächst artikuliert werden müssen. Die sozialwissenschaftliche Methode des szenischen Verstehens versucht jene latent wirkenden Sinnfiguren zu versprachlichen und etwaige Gegenentwürfe zu entwickeln. Gemeinsam mit den Teilnehmenden möchten wir uns, nach einer kurzen Darstellung der methodologischen Grundlagen, an einer Erprobung eines konkreten Gegenstandes (vulgo Campus Westend, bzw. fucking PEG) versuchen. Das Ziel soll dabei sein, den Teilnehmenden die Möglichkeit zu eröffnen, das Erarbeitete in eigenen universitären Kontexten anzuwenden.

AT Zur Kritik der gegenwärtigen Ökonomie: Adornos These, dass Ökonomie und Gesellschaftstheorie einander bedürfen um ihren zentralen Gegenstand nicht zu verfehlen, scheint weiterhin relevant zu sein. So dürfte bei aller sozialwissenschaftlichen Kritik am Ökonomismus klar sein, dass der Bereich der materiellen Reproduktion einer Gesellschaft und die Formen, in denen sich diese vollzieht, von entscheidender Bedeutung für alle möglichen sozialen Handlungsbereiche sind, wie allerspätestens die manifesten materiellen Restriktionen in Krisenzeiten deutlich spürbar machen. Dennoch scheinen die Sozialwissenschaften diesen Bereich weitgehend auszuklammern und es in der Regel bei einzelnen Hinweisen auf die soziale Einbettung von Markthandeln und ähnlich partiellen Einwänden zu belassen. Das „Entscheidende“ wird den Wirtschaftswissenschaften überlassen. Ein oberflächlicher Blick auf die gegenwärtige Ökonomie zeigt jedoch, dass hier ebenfalls die entscheidenden Fragen hinter hoch mathematisierten und formalisierten Modellen zurücktreten. Dass „die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Menschen, die doch als rein wirtschaftliche, kalkulable sich geben, in Wirklichkeit nichts anderes als geronnene Beziehungen zwischen Menschen sind“ (Adorno), geht hinter diesen Rechenmodellen nur allzuleicht verloren. Das Tutorium möchte bei dieser Trennung der beiden Disziplinen ansetzen und sie kritisch hinterfragen.

 

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